Mediterrane Ernährung und Herzgesundheit: Was die Evidenz wirklich hergibt


Ali Boukllouâ – Facharzt bei PreventicsOne
Ali Boukllouâ – Facharzt bei PreventicsOne

Mediterrane Ernährung und Herz · PreventicsOne
mediterrane Ernährung Herzgesundheit

Key Facts

  • Die mediterrane Ernährung ist eines der am besten untersuchten Ernährungsmuster für die Herzgesundheit, aber nicht die universell beste Ernährung für jeden. Sie ist ein Muster, keine Diät.
  • Kennzeichnend ist ein pflanzenbetontes Muster; entscheidend ist die Gesamtheit der Lebensmittel, nicht ein Einzelbestandteil. Fisch kann dazugehören, ist aber keine Pflicht, und Alkohol ist kein gesundheitsfördernder Pflichtbestandteil.
  • Maßgeblich ist die PREDIMED-Studie in ihrer korrigierten Fassung von 2018. Sie untersuchte eine Hochrisikopopulation mit einem kombinierten Herz-Kreislauf-Endpunkt; ihre Ergebnisse gelten nicht für die Allgemeinbevölkerung oder die Gesamtsterblichkeit.
  • ApoB reagiert auf Ernährungsanpassungen, konkret auf weniger gesättigte Fettsäuren und mehr Ballaststoffe. Olivenöl gehört ins Muster als Ersatz für gesättigte Fette, nicht als isolierte Schutzgarantie.
  • Ernährung wirkt auf die Metabolics-Säule und darüber auf die Cardio-Säule des PreventicsOne Score.
  • Ob eine Umstellung wirkt, zeigt sich an geeigneten Messwerten, an Beschwerden und daran, ob sie umsetzbar ist. Eine Kontrolle nach etwa 8 bis 12 Wochen ist ein praktischer Orientierungspunkt.

Was du in diesem Artikel erfährst

  • Was die mediterrane Ernährung ausmacht und welche Rolle Olivenöl, Fisch und Wein spielen
  • Was die PREDIMED-Studie gezeigt hat und wo ihre Grenzen liegen
  • Über welche Wege die Ernährung auf Blutfette, Blutdruck und Entzündung wirkt
  • Woran du erkennst, ob eine Umstellung bei dir wirkt
  • Welche Werte der 360° Check-up als Ausgangspunkt liefert

Was „mediterran" tatsächlich meint, und was nicht

Mediterrane Ernährung meint ein pflanzenbetontes Ernährungsmuster, bei dem die Gesamtheit der Lebensmittel zählt und nicht ein einzelner Bestandteil. Damit ist sie keine Diät mit festen Regeln, sondern eine Grundausrichtung. Es geht um die Richtung der Ernährung insgesamt, nicht um einzelne Lebensmittel mit Heilsversprechen.

Viele verbinden damit sofort Olivenöl, Fisch und ein Glas Rotwein. Die Einordnung ist differenzierter. Olivenöl gehört zum Muster, und zwar als Ersatz für gesättigte Fette, nicht als isolierte Schutzgarantie. Fisch kann dazugehören, ist aber keine zwingende Hauptproteinquelle. Und Alkohol ist kein gesundheitsfördernder Pflichtbestandteil der mediterranen Ernährung.

Das hat eine praktische Folge. Mediterran essen heißt vor allem, pflanzliche Lebensmittel zum Schwerpunkt zu machen und gesättigte Fette etwa durch Olivenöl zu ersetzen.

Konsequenz: Wer das Muster kennt, muss nicht auswandern, sondern ein paar Bausteine tauschen.

Was die Evidenz hergibt, und wo ihre Grenzen liegen

Die mediterrane Ernährung ist eines der am besten untersuchten Ernährungsmuster für die Herzgesundheit, aber nicht die universell beste Ernährung für jeden. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie oft verkürzt wiedergegeben wird.

Die bekannteste Studie dazu ist PREDIMED. Maßgeblich ist ihre korrigierte Fassung von 2018. Die ursprüngliche Veröffentlichung hatte Probleme bei der Randomisierung, also bei der zufälligen Zuteilung der Teilnehmenden zu den Gruppen, und wurde deshalb neu ausgewertet.

Genauso wichtig ist, wen die Studie untersucht hat. Teilgenommen haben Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko, und ausgewertet wurde ein kombinierter Herz-Kreislauf-Endpunkt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen und auch nicht auf die Gesamtsterblichkeit. Für die Praxis heißt das: Die Studie stützt ein mediterranes Muster bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, sie ist aber kein Beleg dafür, dass jeder Mensch damit länger lebt.

Wer sich gesund fühlt und gut isst, weiß damit noch nicht, wie seine Blutfette oder sein Blutdruck tatsächlich aussehen.

Konsequenz: Auf die Frage, ob das belegt ist, gibt es eine ehrliche Antwort: ja, gut untersucht, mit klaren Grenzen der Aussage.

Die Wirkwege zum Herzen: Blutfette, Blutdruck, Entzündung

Mediterrane Ernährung wirkt über Größen, die sich messen lassen: Blutdruck und Blutfette können von ihr profitieren, wobei die Wirkung individuell ist.

Bei den Blutfetten ist ApoB ein zentraler Ansatzpunkt. ApoB sitzt auf jedem atherogenen Lipoprotein-Partikel, also auf jedem Partikel, das zur Gefäßverkalkung beitragen kann. Der Wert reagiert auf Ernährungsanpassungen, konkret auf weniger gesättigte Fettsäuren und mehr Ballaststoffe, außerdem auf Gewichtsreduktion und Bewegung. Der Zielwert bei PreventicsOne liegt unter 65 mg/dL. Der Laborbereich, der oft bis 80 oder 100 mg/dL als „normal" gilt, ist ein Bevölkerungsdurchschnitt und kein Therapieziel. Und der Einfluss der Ernährung auf das LDL ist nicht auf einen festen Anteil begrenzt.

Beim Blutdruck gilt nach der ESC-Leitlinie 2024 für die meisten behandelten Erwachsenen ein systolischer Zielbereich von 120 bis 129 mmHg. Auch hier kann ein mediterranes Muster einen Beitrag leisten.

Bei der Entzündung ist die Lage weniger eindeutig. Stille Entzündung ist über den Lebensstil beeinflussbar, die Ernährung eingeschlossen. Eine Verbesserung des hsCRP ist dabei aber nicht garantiert. Im Check-up wird zunächst das normale CRP bestimmt.

Konsequenz: Ernährung wirkt nicht diffus auf „die Gesundheit", sondern auf Größen, die im Blut und am Blutdruck ablesbar sind.

Woran du erkennst, ob es bei dir wirkt

Ob eine Ernährungsumstellung bei dir wirkt, erkennst du an geeigneten Messwerten, an deinen Beschwerden und daran, ob sich die Umstellung im Alltag umsetzen lässt.

Messwerte sind dabei hilfreich, aber nicht das einzige Kriterium. Erst ein Ausgangswert vor der Umstellung macht einen Vergleich möglich, gerade bei Werten wie ApoB, die du im Alltag nicht spürst. Ebenso zählen die Qualität der Ernährung, wie es dir geht und ob du die Veränderung durchhältst. Welche Untersuchungen zur Kontrolle sinnvoll sind, richtet sich nach der Fragestellung.

Beim Zeitpunkt kommt es auf die Zielgröße an. Eine Kontrolle nach etwa 8 bis 12 Wochen ist ein praktischer Orientierungspunkt. Das ist weder der frühestmögliche Zeitpunkt, an dem sich etwas tut, noch eine Garantie, dass sich bis dahin etwas verändert hat.

Konsequenz: Mit einem Ausgangswert wird eine Umstellung überprüfbar, ohne dass du dich allein auf dein Gefühl verlassen musst.

Metabolics und Cardio: welche Werte der 360° Check-up dafür liefert

Ernährung wirkt im PreventicsOne Score auf die Säule Metabolics und darüber auf die Säule Cardio, und der 360° Check-up liefert die Ausgangswerte, an denen sich eine Umstellung messen lässt.

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Beim kardiovaskulären Risikoprofil werden zusätzlich zum klassischen Lipidpanel ApoB und ApoA1 bestimmt. Das klassische Panel aus Gesamtcholesterin, HDL, LDL und Triglyceriden ist ein erster Anhaltspunkt; ApoB und ApoA1 liefern ein wesentlich präziseres Bild des tatsächlichen Atherosklerose-Risikos als das LDL-Cholesterin allein. Damit liegt genau der Wert vor, der auf Ernährungsanpassungen reagiert.

Die Stoffwechselanalyse per indirekter Kalorimetrie zeigt über die Atemgase, ob dein Körper eher Kohlenhydrate oder Fette verbrennt, und misst deinen Ruheumsatz. Das ist eine Grundlage für die Beurteilung jeder Ernährungsstrategie. Dazu kommen der HOMA-IR als Maß für die Insulinresistenz und das Viszeralfett aus der Bioimpedanzanalyse.

Aus diesen Werten entstehen Ernährungsempfehlungen auf Basis deiner Stoffwechselanalyse und deiner Blutwerte, statt allgemeiner Regeln.

Konsequenz: Du bekommst keinen weiteren Ernährungstipp, sondern deine eigenen Ausgangswerte und damit den Vorher-Wert, an dem sich eine Umstellung später messen lässt.

Hausarzt-Realitätscheck

Ernährungsempfehlungen gibt es auch in der Regelversorgung, sie bleiben aber meist allgemein, weil die Messgrundlage fehlt. Der Check-up 35 umfasst sechs Blutwerte; ApoB und Lp(a) sind dort nicht enthalten, ebenso wenig eine bildgebende Diagnostik. Das ist eine Frage des Programmumfangs, nicht der Beratung.

Bei PreventicsOne entsteht die Ernährungsempfehlung aus der Stoffwechselanalyse und den Blutwerten, mit ApoB als direktem Maß für die Anzahl atherogener Partikel und dem Viszeralfett aus der Bioimpedanzanalyse.

Der Unterschied ist nicht der Rat, sondern dass man nachsehen kann, ob er gewirkt hat.

Häufig gestellte Fragen

Was bringt mediterrane Ernährung für das Herz?

Sie gehört zu den am besten untersuchten Ernährungsmustern für die Herzgesundheit. Blutdruck und Blutfette können von ihr profitieren, wie stark, ist allerdings individuell. Die universell beste Ernährung für jeden ist sie nicht, entscheidend ist, was bei dir wirkt und durchhaltbar ist.

Was hat die PREDIMED-Studie gezeigt?

Maßgeblich ist die 2018 korrigierte Fassung, nachdem die Erstveröffentlichung Probleme bei der Randomisierung hatte. Untersucht wurden Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko, ausgewertet ein kombinierter Herz-Kreislauf-Endpunkt. Auf die Allgemeinbevölkerung oder die Gesamtsterblichkeit lassen sich die Ergebnisse nicht übertragen.

Gehört Rotwein zur mediterranen Ernährung?

Alkohol ist kein gesundheitsfördernder Pflichtbestandteil der mediterranen Ernährung. Entscheidend ist das pflanzenbetonte Gesamtmuster. Wer keinen Alkohol trinkt, isst deshalb nicht weniger mediterran.

Wann sieht man eine Veränderung der Werte?

Das hängt von der Zielgröße ab. Als praktischer Orientierungspunkt für eine Kontrolle gelten etwa 8 bis 12 Wochen. Eine Garantie für eine Veränderung bis dahin ist das nicht.

Wo kann ich meine Herz- und Stoffwechselwerte in Düsseldorf messen lassen?

Im PreventicsOne 360° Check-up in Düsseldorf werden ApoB, das Lipidprofil, der Blutdruck, die Stoffwechselanalyse und das Viszeralfett erhoben. Daraus entstehen Ernährungsempfehlungen auf Basis deiner eigenen Werte. Den Einstieg bildet das kostenlose Erstgespräch von etwa 15 Minuten, telefonisch oder per Video.

Fazit

Die mediterrane Ernährung ist kein Versprechen, sondern ein gut untersuchtes Muster mit nachvollziehbaren Wirkwegen. Ob es bei dir wirkt, zeigt der Vergleich deiner eigenen Werte.

ApoB, Blutfette, Stoffwechselanalyse und Viszeralfett sind beim PreventicsOne 360° Check-up Standardbestandteil, und damit auch dein Ausgangswert.

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Quellen & Leitlinien

  • Estruch R et al., NEJM 2018, PREDIMED in der korrigierten Fassung.
  • Estruch R et al., Ann Intern Med 2006, zu frühen PREDIMED-Ergebnissen.
  • AHA, Ernährung 2026, zu Ernährungsmustern und Herzgesundheit.
  • 2019 ESC/EAS Dyslipidämie-Leitlinie mit 2025 Focused Update, zu Blutfetten und ApoB.
  • 2024 ESC Guidelines Hypertonie, zum Blutdruck-Zielbereich.
  • Sniderman AD et al., JAMA Cardiology 2019; Borén J et al., European Heart Journal 2020, zu ApoB.

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Ali Boukllouâ

Facharzt für Kardiologie, Innere Medizin. Zusatzbezeichnung Sportmedizin.

Mit über 4.000 durchgeführten Premium Check-ups und seiner Praxis PreventicsOne in Düsseldorf spezialisiert er sich auf evidenzbasierte Prävention — mit dem Ziel, Erkrankungen zu erkennen bevor sie entstehen.

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